Wilkommen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Bischof Wiesemann

müde, erschöpft, in der Hand eine Tasche, darin gerade mal das Allernötigste: So kommen zurzeit Tausende Menschen als Flüchtlinge in unser Land. Hinter ihnen liegen Wochen voller Strapazen, Tage voller Angst und Unsicherheit. Im Herzen aber tragen sie eine Hoffnung: dass sie bei uns Ruhe finden, einen Ort ohne Schüsse, ohne die Schreie der Soldaten, ohne die Tränen der Mütter und Kinder.

Manch Älterer fühlt sich an die Zeit nach dem Krieg erinnert. Ankommen, fremd sein, banges Hoffen, irgendwo einen Platz zu finden: das haben auch viele Deutsche erlebt, die in den Wirren der Nachkriegsjahre im zerstörten Deutschland einen neuen Anfang suchten. Die Erfahrung von Flucht und Vertreibung spielt in mehr Lebens- und Familiengeschichten eine Rolle, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Wir dürfen dankbar sein, dass uns die Chance zum Neubeginn geschenkt wurde. Sie ermöglicht uns heute ein Leben in Frieden und Freiheit.

Schon ist von einer „Flüchtlingskrise“ die Rede. Wer hat Schuld an den Flüchtlingsströmen? Was läuft falsch in den Herkunftsländern? Was müssen die nationalen Regierungen tun, was die Europäische Union? Das alles wird jetzt debattiert, oft hart, unversöhnlich und in heimlicher Sorge um den eigenen Wohlstand. Dabei ist doch vor allem eines von Nöten: dass wir in den Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, unsere Brüder und Schwestern erkennen. Dass wir mit ihnen mitfühlen und ihnen gegenüber unsere Mitmenschlichkeit erweisen. Ganz einfach, ganz schlicht.

Das Bistum Speyer und sein Caritasverband wollen den Flüchtlingen mit Offenheit und Solidarität begegnen und haben daher die gemeinsame Hilfsaktion „Teile und helfe“ ins Leben gerufen. Sie soll einen Überblick geben, welche Hilfsaktivitäten im Bistum Speyer bereits bestehen, und Menschen dazu anregen, auf die Flüchtlinge zuzugehen und sie auf den ersten Schritten in das Leben in einer bis dahin unbekannten Umgebung zu begleiten. Die Hilfsaktion soll die Unentschlossenen ermutigen, die Aktiven bestärken und die vielfältigen Projekte und Initiativen miteinander vernetzen. Wenn viele mit anpacken, erreichen wir mehr als wir uns anfänglich vielleicht selbst zugetraut hätten.

Ihr

Dr. Karl-Heinz Wiesemann
Bischof von Speyer

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Bischof Wiesemann im Flüchtlinswohnheim

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